Ein geerbtes Porträt soll wieder im Wohnzimmer hängen. Die Farben wirken dunkel, an einer Ecke fehlt Farbe und der Rahmen sitzt locker. Bevor Sie das Gemälde restaurieren lassen, möchten Sie wissen, welcher Aufwand dahintersteht und welche Arbeiten überhaupt nötig sind.
Die Kosten einer Gemälderestaurierung hängen vom Zustand des Werks und vom vereinbarten Behandlungsumfang ab. Bildgröße und Alter allein reichen für eine Einschätzung nicht aus. Entscheidend ist, ob beispielsweise eine Reinigung genügt, lose Farbschichten gesichert werden müssen oder ein beschädigter Bildträger zusätzliche Arbeiten erfordert.
Dieser Ratgeber erklärt, wie sich der Aufwand zusammensetzt und welche Fragen eine Begutachtung beantworten sollte. Den Überblick über mögliche Maßnahmen finden Sie bei der Restaurierung von Gemälden.
Warum zwei ähnlich große Gemälde unterschiedlich viel Arbeit machen
Bei einem Gemälde kann die Malschicht fest haften und nur ein Oberflächenbelag stören. Bei einem anderen liegen unter einem ähnlich dunklen Eindruck empfindliche Retuschen, ein veränderter Firnis und bereits gelockerte Farbe. Die sichtbare Fläche ist vergleichbar, die Aufgabe jedoch eine andere.
Für eine Planung müssen daher mehrere Fragen zusammen betrachtet werden.
- Wie stabil sind Leinwand, Holz oder Karton als Bildträger?
- Haftet die Grundierung mit der Farbe noch ausreichend am Untergrund?
- Liegt die Verdunklung auf der Oberfläche oder betrifft sie einen gealterten Überzug?
- Gibt es frühere Reparaturen oder Übermalungen, die berücksichtigt werden müssen?
- Geht es vor allem um die Erhaltung oder auch um eine veränderte Bildwirkung?
Eine reine Beschreibung als Reinigung, Reparatur oder Auffrischung wäre dafür zu ungenau. Erst ein abgegrenztes Ziel macht verständlich, welche Arbeitsschritte vorgesehen sind.
Welche Maßnahmen den Restaurierungsaufwand bestimmen
Die einzelnen Arbeiten erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Sie sind keine Bestandteile eines festen Pakets, das jedes Gemälde gleichermaßen benötigt.
| Maßnahme | Worum es geht | Was den Umfang beeinflusst |
|---|---|---|
| Oberflächenreinigung | Ablagerungen auf dem Gemälde behandeln | Art des Belags und Empfindlichkeit der Oberfläche |
| Firnisbehandlung | Einen gealterten Überzug untersuchen und gegebenenfalls reduzieren | Eigenschaften des Firnisses und darunterliegende Schichten |
| Malschichtsicherung | Gefährdete Farbschichten stabilisieren | Verteilung und Ausmaß der gelockerten Bereiche |
| Leinwandrestaurierung | Einen beschädigten oder geschwächten Bildträger behandeln | Lage von Rissen, fehlendes Gewebe und vorhandene Reparaturen |
| Kittung und Retusche | Stabile Fehlstellen vorbereiten und optisch ergänzen | Umfang der Verluste und vereinbartes Ergänzungsziel |
Bei der Reinigung eines Gemäldes wird zunächst geklärt, welche Ablagerungen sich behandeln lassen. Die Behandlung eines vergilbten Firnisses ist eine gesonderte Frage. Ein dunkles Ölbild lässt sich deshalb nicht automatisch mit einer einzigen Maßnahme aufhellen.
Eine Retusche an Fehlstellen betrifft wiederum die optische Ergänzung. Sie ersetzt weder die Stabilisierung loser Farbe noch die Bearbeitung eines beschädigten Bildträgers. Wer diese Unterschiede kennt, kann den vorgeschlagenen Umfang besser nachvollziehen.
Reinigung und Restaurierung am Beispiel eines verrauchten Porträts
Bei einem Bild aus einem Raucherhaushalt liegt der Wunsch nach einer Reinigung nahe. Es kann aber zugleich ein gealterter Firnis vorhanden sein. Dann muss geklärt werden, welcher Anteil der Verdunklung auf Ablagerungen entfällt und welcher auf den Überzug.
Unser Ratgeber zu Nikotin auf Gemälden zeigt dazu eine dokumentierte Bildreihe. Das Beispiel macht die Veränderung der Bildwirkung sichtbar. Den Aufwand eines anderen Werks kann man daraus nicht ableiten, denn dessen Schichten und Erhaltungszustand müssen separat geprüft werden.
Ähnlich verhält es sich mit einem Riss. Eine Öffnung im Gewebe kann mit Verlusten an Grundierung und Farbe verbunden sein. Die Stabilisierung der Leinwand und die spätere optische Ergänzung sind dann verschiedene Aufgaben. Welche Beobachtungen vor einer Anfrage helfen, erklärt der Beitrag zu Rissen und Löchern im Gemälde.
Erhaltung und optische Verbesserung getrennt besprechen
Ein Familienbild muss nicht makellos aussehen, um seinen Platz im Zuhause zu behalten. Vielleicht möchten Sie vor allem verhindern, dass weitere Farbe verloren geht. Vielleicht stört eine Fehlstelle im Gesicht besonders, während Alterungsspuren am Rand bewusst bleiben sollen.
Solche Wünsche gehören in das Gespräch. Dabei wird unterschieden, welche Arbeiten zur Stabilität beitragen und welche die Erscheinung verändern. Ein begrenzter Behandlungsumfang kann sinnvoll sein, wenn er den Zustand des Gemäldes berücksichtigt. Ob sich Arbeitsschritte trennen lassen, hängt von ihren fachlichen Voraussetzungen ab.
Auch ein möglicher Verkauf führt nicht automatisch zur Empfehlung einer umfassenden Restaurierung. Eine Zustandsprüfung ist keine Marktwertschätzung, und eine Behandlung garantiert keine Wertsteigerung. Bei einem Erbstück hilft es, den persönlichen Erhaltungswunsch und einen möglichen Verkaufswunsch ausdrücklich zu benennen.
Was Sie vor einer Beauftragung klären sollten
Eine nachvollziehbare Planung beantwortet mehr als die Frage, ob ein Gemälde behandelt werden kann. Sie sollte Ihnen auch erklären, was sich voraussichtlich verändert und wo Grenzen liegen.
- Welche Schäden oder Veränderungen wurden festgestellt?
- Welche Maßnahmen werden vorgeschlagen und mit welchem Ziel?
- Welche Arbeitsschritte setzen andere voraus?
- Welche Alterungsspuren oder Fehlstellen können sichtbar bleiben?
- Welche offenen Fragen bestehen noch vor Beginn der Behandlung?
- Wie wird das weitere Vorgehen abgestimmt, wenn sich zusätzliche Befunde zeigen?
So lassen sich unterschiedliche Vorschläge anhand ihres Inhalts betrachten. Zwei Beschreibungen mit dem Wort Restaurierung können einen sehr unterschiedlichen Umfang meinen.
So bereiten Sie die Begutachtung in Berlin vor
Notieren Sie die ungefähren Maße und beschreiben Sie die auffälligen Stellen. Gesamtaufnahmen und bereits vorhandene Detailfotos helfen uns, Ihr Anliegen zu verstehen. Angaben zur früheren Lagerung, zu bekannten Reparaturen und zum gewünschten Ergebnis ergänzen die Vorbereitung.
Reinigen Sie das Bild nicht, um es für den Termin besser aussehen zu lassen. Auch eine lose Rahmung oder eine schwer zugängliche Rückseite müssen Sie für die Anfrage nicht selbst öffnen. Wenn Farbe absteht oder die Leinwand gerissen ist, stimmen Sie zunächst ab, wie das Werk vorgestellt werden kann.
Im Atelier am Kaiserdamm 5 in Berlin-Charlottenburg lässt sich der tatsächliche Zustand mit Ihren Wünschen zusammen betrachten. Über unsere Kontaktmöglichkeiten für eine Begutachtung können Sie den Termin vorbereiten und offene Fragen zum weiteren Vorgehen ansprechen.